Mission 2030 – Gamechanger FM
Beim gefma Tag Bayern 2026 waren wir zu Gast bei der Sparkasse Nürnberg in Ihrem "Haus des Kunden". Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichen Bereichen diskutierten über die Zukunft der Immobilienwirtschaft. Wie gelingt es, technologische Innovationen sinnvoll einzusetzen und gleichzeitig Menschen, Organisationen und Gebäude fit für die Zukunft zu machen? Ein besonderer Dank gilt Tobias Kallinich, Digitalisierungsexperte und Moderator des gefma Tags Bayern 2026. Mit seinen fünf Thesen zum Thema Vertrauen setzte er den inhaltlichen Rahmen für den Tag und machte deutlich: Die Herausforderungen von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, Resilienz und Fachkräftemangel lassen sich nur bewältigen, wenn wir Vertrauen in Menschen, Technologien und die Fähigkeit zum Wandel entwickeln.
Technologie trifft Mensch
Beim Auftakt von Julia Werner und Stephan Schaberl von WERNER companies GmbH standen konkrete Fragen im Vordergrund: Wie müssen Ausschreibungen künftig gestaltet werden? Wie können Gebäude bereits heute „robot-ready“ geplant werden? Welche wirtschaftlichen Business Cases sind tragfähig? Und wie gelingt es, Mitarbeitende auf diesem Weg mitzunehmen? Die Antworten darauf sind noch nicht abschließend gefunden, doch genau darin liegt die Chance. Die Zukunft wird von denjenigen gestaltet, die bereit sind, die richtigen Fragen zu stellen und erste Schritte zu gehen. Für einen praxisnahen Eindruck sorgten zudem die Serviceroboter von FENKA Robotics, die die Teilnehmenden in der Mittagspause begleiteten und zeigten, wie Robotik schon heute im Alltag eingesetzt werden kann.
Der Maschinenraum der Dekarbonisierung liegt im Gebäude
Wie eng Energieeffizienz, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz inzwischen miteinander verknüpft sind, zeigte Andreas Blassy in seinem Vortrag „Der Maschinenraum der Dekarbonisierung liegt im Gebäude“. Seine zentrale These: Die Energiewende entscheidet sich nicht in Berichten oder Strategiepapiere, sondern im täglichen Gebäudebetrieb. Energieeffizienz ist ein wichtiger Baustein für Energiesicherheit, stabile Betriebskosten und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Standorten. Digitalisierung schafft dabei die notwendige Transparenz und ermöglicht es, Einsparpotenziale systematisch zu erkennen und umzusetzen. Künstliche Intelligenz wiederum kann Muster erkennen, Entscheidungen beschleunigen und Maßnahmen priorisieren. Allerdings wurde auch deutlich: KI ersetzt weder eine funktionierende Anlagentechnik noch schlechte Datenqualität. Sie verstärkt lediglich das, was bereits im Betrieb vorhanden ist.
Krisenfest in die Zukunft
Ein weiterer Schwerpunkt des gefma Tags war die Frage, wie Gebäude und Infrastrukturen widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen unserer Zeit werden können. Robert Oettl (ORO VENTURES Holding) machte in seinem Vortrag deutlich, dass Resilienz längst nicht mehr ausschließlich im Zusammenhang mit Klimarisiken betrachtet werden darf. Geopolitische Entwicklungen, Cyberangriffe und neue regulatorische Anforderungen verändern die Anforderungen an Gebäude und deren Betreiber grundlegend. Besondere Aufmerksamkeit galt den gesetzlichen Rahmenbedingungen wie dem KRITIS-Dachgesetz oder der NIS-2-Richtlinie. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur klassische Kritische Infrastrukturen betroffen sind. Auch für Immobilienbestandshalter, Investoren und Betreiber werden Themen wie physische Sicherheit, Versorgungssicherheit, Organisation und Cybersecurity zunehmend relevant. Resilienz entwickelt sich damit zu einem entscheidenden Faktor für Werterhalt, Finanzierung und Zukunftsfähigkeit von Immobilienportfolios. Resilienz ist somit kein Notfallplan mehr, sondern Infrastruktur.
Produktiver trotz Datenchaos
Warum die Immobilienbranche nicht länger auf perfekte Daten warten darf, um die Potenziale von Digitalisierung und KI zu nutzen, machte Prof. Dr. Thomas Herr von der bbw Hochschule Berlin am Nachmittag deutlich. Seine Analyse zeigte, dass die
Immobilienbranche trotz jahrzehntelanger Digitalisierung noch immer mit
fragmentierten Datenstrukturen und fehlenden Standards kämpft. Gleichzeitig steigt die Bedeutung verlässlicher Daten
kontinuierlich. Denn KI-Anwendungen betrachten Immobilien nicht über Gebäude,
sondern über Daten. Diese Daten entstehen im Facility Management und genau
darin liegt eine große Chance für die Branche. FM entwickelt sich zunehmend zur
zentralen Datenquelle der Immobilie. Besonders eindrücklich war die Forderung, nicht auf perfekte
Daten zu warten, sondern den größten Schmerzpunkt zu identifizieren und dort
anzusetzen. Entscheidend sei nicht die Menge der verfügbaren Informationen,
sondern ein gemeinsames Verständnis darüber, welche Daten tatsächlich relevant
sind und wie sie organisationsübergreifend genutzt werden können.
Rechtliche Herausforderungen für zukunftsorientiertes FM
Den Abschluss bildete der Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. Rechtsanwalt Martin Faller (BIERE DÖRNER FALLER Rechtsanwälte) zeigte auf, dass weniger neue Gesetze als vielmehr neue Wege zur Erfüllung bestehender Anforderungen die Branche beschäftigen werden. Mit der zunehmenden Digitalisierung entstehen neue Fragestellungen rund um Daten, KI und Verantwortlichkeiten. Wem gehören die im Betrieb erzeugten Daten? Wie müssen Leistungen künftig beschrieben und bewertet werden? Welche Auswirkungen hat der Einsatz von KI auf Haftung und Verantwortlichkeiten? Und wie lassen sich neue Technologien rechtssicher in bestehende Prozesse integrieren? Der Einsatz neuer Technologien erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch klare Governance-Strukturen und belastbare Verantwortlichkeiten.
Der gefma Tag Bayern 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass Facility Management eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Zukunft von Immobilien einnimmt. Die vielleicht wichtigste Botschaft des Tages lautete dabei: Nicht Perfektion entscheidet über den Erfolg, sondern die Bereitschaft anzufangen. Facility Management wird damit vom Verwalter zum aktiven Gestalter und genau darin liegt sein Potenzial als echter Gamechanger auf dem Weg in Richtung 2030.