Herr Hölzlein, Sie haben ein Lowtech-Bürogebäude in Bamberg geplant und umgesetzt? Vor kurzem wurde die RESI mit dem Bayerischen Energiepreis 2026 ausgezeichnet. Was ist das Besondere an dem Konzept?
Die RESI, so heißt unser dreigeschossiger Firmenneubau, ist als massives Lowtech-Gebäude konzipiert. Inspiriert vom Bürohaus 2226 von Baumschlager Eberle Architekten wollte ich ein zukunftsfähiges Netto-Null-Gebäude ohne statische Heizung und aktive Kühlung realisieren. CO₂- und Energieverbrauch sowie Emissionen sollten über den gesamten Lebenszyklus minimiert werden. Grundlage dafür war eine integrale Planung ab Leistungsphase 0: Zahlreiche Simulationen bestimmten Architektur, Energiekonzept und die technische Gebäudeausrüstung (TGA). Zwei Planungsprinzipien prägen Bau- und Betriebskonzept: „Mit weniger mehr“ und „Efficiency first“. Produkte und Materialien wurden nach Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ausgewählt und in einem Gebäuderessourcenpass dokumentiert. Wir haben uns immer wieder die Frage gestellt: Brauchen wir das wirklich? Unsere RESI ist DGNB Gold zertifiziert und erreichte die maximale Punktzahl bei Ökobilanz und Lebenszykluskosten, zum Beispiel auch, weil wir mit unserer Indach-PV-Anlage mit Batteriespeicher quasi autark sind.
Was war Ihre Motivation, anders zu bauen?
Damit ich mein Unternehmen erfolgreich weiterführen kann, müssen unsere Immobilien zukunftsfähig sein. Das bedeutet energiesicher, klimaresilient und ressourcenschonend. Außerdem sind wir ein Beratungsunternehmen für nachhaltiges Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden. Da war es klar, dass wir selbst nachhaltig bauen wollten. Und als Vater von drei Kindern sehe ich mich grundsätzlich in der Verantwortung, generationengerecht zu handeln.
Sie haben das Gebäude im Februar letzten Jahres bezogen. Wie arbeitet es sich in der RESI?
Ob meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufrieden sind, ist für mich als Unternehmer eine entscheidende Frage für den Unternehmenserfolg. Das Gebäude und seine Arbeitswelten haben hier großen Anteil. Eines war klar: Ein Gebäude ohne Heizen und Kühlen und mit nichtöffnenden Fenstern würde Veränderung und Verzicht auf gewohnten Komfort bedeuten. Deshalb haben wir den Umzug mit einem aktiven Change Management und Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter begleitet. Wir arbeiten im Erdgeschoss und ersten Stock des Gebäudes. Das zweite Stockwerk ist vermietet. Die Flächen sind nach dem Activity-Based-Working-Prinzip und sehr modular und flexibel gestaltet. Heute, nach gut einem Jahr, wissen wir, dass das Team sich in der RESI wohlfühlt und vor allen Dingen, dass alle hinter dem Konzept stehen. Das heißt nicht, dass es im Jahreslauf keine Temperaturschwankungen gäbe. Aber auch die aktuellen Hitzeperioden mit tropischen Nächten sind beherrschbar, und wir können die Arbeitsstättenrichtlinie auch ohne Technik einhalten.
Es heißt immer wieder, nachhaltig bauen sei zu teuer. Sie wollten mit der RESI den Gegenbeweis antreten. Ist das gelungen?
Ja, das ist uns gelungen. Mit Baukosten von 1.961 €/m² BGF (Kostenstand 2. Quartal 2025 BKI) und 13 Monaten Bauzeit zeigt RESI, dass nachhaltiges Bauen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich sein kann. Damit liegen wir rund 15 Prozent unter dem mittleren Standard laut BKI (Baukosteninformationszentrum Deutscher Architektenkammern GmbH), wo wir die Kosten in einer Publikation transparent dokumentiert haben.
Die Baukosten sind allerdings nur eine Seite der Medaille. Bei vielen Projekten wird nur auf die Planungs- und Baukosten geschaut. Wie viel ein Gebäude im Betrieb kostet und wie viel Energie und CO2 verbraucht wird, ist für viele Akteure nicht mehr wichtig. Für mich als Unternehmer dagegen schon. Denn hohe Betriebskosten belasten das Geschäftsergebnis. Zudem sind Energie- und Emissionskosten äußerst volatil. Je weniger Energie und Ressourcen ich also verbrauche, je autarker ich bin, umso sicherer und kalkulierbarer wird mein Geschäft. Deshalb ist der Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes so wichtig. Ich kann unseren Mietern jedenfalls einen stabilen, energiepreisunabhängigen Bruttomietpreis anbieten.