Was geschieht mit den heterogenen Immobilien der Kirche, wenn sich die Anforderungen an kirchliches Leben verändern? Welche Rolle können diese Immobilien künftig für Gesellschaft, Städte und Gemeinden spielen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die gefma Lounge Bayern-Nürnberg unter dem Titel „Glaube. Raum. Wandel. – Neue Perspektiven für kirchliche Immobilien in Bayern“.

Den Auftakt machte Oliver Rose, Geschäftsführer der equadra GmbH mit einem Einblick in die ICG-Studie „Kirche im Prozess“. Die Studie beleuchtet die Herausforderungen und Chancen im Umgang mit kirchlichen Immobilien und versteht diese ausdrücklich nicht nur als Gebäude, sondern als Orte der Identität, Gemeinschaft und gesellschaftlichen Teilhabe. Tausende kirchliche Immobilien stehen bundesweit vor einem tiefgreifenden Wandel. Sinkende Mitgliederzahlen, veränderte Nutzungsanforderungen und steigende Unterhaltungskosten führen dazu, dass zahlreiche Gebäude nicht mehr in ihrem ursprünglichen Umfang genutzt werden. Gleichzeitig bieten sie großes Potenzial für neue Nutzungen und nachhaltige Entwicklungen. 

Im Mittelpunkt der Studie steht ein werteorientierter Transformationsansatz. Statt ausschließlich wirtschaftliche Kennzahlen zu betrachten, wird die Frage gestellt, welchen gesellschaftlichen Nutzen eine Immobilie stiften kann. Damit rückt die soziale Wirkung von Projekten ebenso in den Fokus wie ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit. Der vorgestellte Handlungsfahrplan liefert hierfür konkrete Hilfestellungen, von der Bestandsanalyse über die Bewertung unterschiedlicher Entwicklungsszenarien bis hin zur Entscheidungsfindung und Umsetzung.

Wie dieser Wandel gelingen kann, brachte Oliver Rose auf den Punkt:

"Transformation bedeutet nicht Verlust. Sie bedeutet, Bestehendes weiterzuentwickeln und so die Grundlage für eine zukunftsfähige Nutzung zu schaffen."


Mit diesem Gedanken setzte die Studie den Rahmen für die anschließende Podiumsdiskussion. Schnell wurde deutlich, dass die Umnutzung kirchlicher Immobilien weit mehr ist als eine immobilienwirtschaftliche Fragestellung. Sie berührt gesellschaftliche, kulturelle und emotionale Aspekte gleichermaßen. Veränderungen lösen daher nicht selten kontroverse Diskussionen aus.

Wie solche Prozesse erfolgreich begleitet werden können, erläuterte Oliver Rose. Aus seiner Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden berichtete er über die Herausforderungen vor Ort. Neben wirtschaftlichen und fachlichen Fragestellungen spielen dabei häufig auch emotionale Aspekte eine zentrale Rolle, da viele Immobilien eng mit der Geschichte und Identität einer Gemeinde verbunden sind. Umso wichtiger seien transparente Kommunikation und die Einbindung aller Beteiligten.

Die Perspektive der Privatwirtschaft brachte Dr. Lukas Götzelmann von der e+k AG ein. Er zeigte auf, welches Interesse Investoren und Projektentwickler an kirchlichen Immobilien haben und welche Potenziale insbesondere in zentral gelegenen Grundstücken und Gebäuden liegen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass erfolgreiche Projekte vor allem eines benötigen: Planungssicherheit. Komplexe Rahmenbedingungen wie Denkmalschutz, lange Entscheidungswege oder unterschiedliche Interessenlagen stellten Investoren vor besondere Herausforderungen. 

Einen weiteren Blickwinkel brachte Gerda Peter ein. Als Geschäftsführerin des Evangelischen Siedlungswerkes stellte sie die Frage in den Mittelpunkt, welchen Beitrag die Wohnungswirtschaft im Transformationsprozess leisten kann. Gerade angesichts des hohen Bedarfs an bezahlbarem Wohnraum bieten kirchliche Grundstücke und Gebäude die Chance, gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen und gleichzeitig langfristige Perspektiven für den Bestand zu entwickeln.

Aus Sicht der Kirche erläuterte Günter Weissteiner von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, warum die strategische Auseinandersetzung mit dem Immobilienbestand heute wichtiger denn je ist. Rückläufige Mitgliederzahlen, veränderte Anforderungen an kirchliches Leben und begrenzte Ressourcen erfordern neue Konzepte für die Nutzung bestehender Gebäude. Gleichzeitig betonte er, dass die Transformation nur mit einem professionellen und strukturierten Vorgehen gelingen kann. Für Kirchengemeinden seien belastbare Entscheidungsgrundlagen, klare Verantwortlichkeiten und eine langfristige Perspektive entscheidend, um den Wandel erfolgreich zu gestalten.

Die gefma Lounge Bayern zeigte eindrucksvoll, dass die Transformation kirchlicher Immobilien nur im Zusammenspiel unterschiedlicher Akteur:innen gelingen kann. Kirche, Wohnungswirtschaft, Investoren und Prozessbegleiter verfolgen UNTERSCHIEDLICHE Interessen, eint jedoch EIN Ziel: zukunftsfähige Nutzungen zu entwickeln und den gesellschaftlichen Wert dieser besonderen Immobilien zu erhalten. Voraussetzung dafür sind Professionalität, Planungssicherheit, eine offene Zusammenarbeit und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.