Mit Strategie und gutem Timing erfolgreich durch den "Nachhaltigkeitsdschungel"
Zwischen Klimaschutz, Klimaanpassung, CO2-Bilanz, Lebenszykluskosten, Fördermitteln, DGNB, BNB, begrenzten Budgets und eigenen (kommunalen) Nachhaltigkeitszielen kann man im Nachhaltigkeitsdschungel die Orientierung verlieren:
- Wo und wie macht es Sinn, anzufangen?
- Was ist die sinnvolle Reihenfolge der Maßnahmen?
- Welche Maßnahmen erzeugen die größte Wirkung?
- Ist eine Zertifizierung immer der richtige Weg?
- Was ist wann ein Muss, was kann warten, was ist Luxus?
In einem Online-Vortrag für die Seminarreihe "Zukunftsfähige Immobilien" der ENERGIEregion Nürnberg e. V. haben wir hilfreiche Erfahrungen bei der erfolgreichen Planung und Umsetzung von nachhaltigen Bauprojekten für öffentliche Auftraggeber zusammengefasst. Eine wesentliche Erkenntnis lautet: Nachhaltigkeit ist dann funktional und wirtschaftlich erfolgreich, wenn sie als strategisches Steuerungsinstrument verstanden wird.
"Wegweiser" durch den Nachhaltigkeitsdschungel:
- Nachhaltigkeit als strategisches Steuerungsinstrument
Wer Nachhaltigkeit früh strategisch und ganzheitlich denkt, ermöglicht planerisch belastbare Entscheidungen. Gleichzeitig können Fördermöglichkeiten gesichert, Maßnahmen priorisiert, Synergien genutzt und das Risiko teurer Nachsteuerungen im Projektverlauf reduziert werden. - Im Lebenszyklus denken
Nicht allein die Baukosten entscheiden über die Wirtschaftlichkeit eines Gebäudes, sondern Betrieb, Instandhaltung, Anpassungsfähigkeit und Wertstabilität über Jahrzehnte. Ökobilanz und Lebenszykluskostenanalyse sind hier wirksame Instrumente. - Bestand als
zentraler Hebel kommunaler Immobilienstrategie
Auch wenn die Spielräume im Bestand oft kleiner sind als im Neubau, ermöglichen Sanierungsfahrpläne und Transitionspläne eine gezielte Steuerung – etwa bei CO₂-Reduktion, Energieeffizienz, Ressourcenschonung, Klimaresilienz, sozialem Impact und Wertstabilität. - Ökologie+Ökonomie+soziokulturelle
Qualität = Zukunftsfähiges Bauen
Kommunale Gebäude müssen langfristig funktionieren. Das tun sie nur, wenn sie nicht nur effizient funktionieren sondern auch den Nutzenden bestmöglich dienen. Deshalb gleichzeitig Funktionalität, Komfort, Gesundheit und langfristige weil flexible Nutzbarkeit sichern.
In Zeiten knapper Kassen und Haushalte ist es wichtig, auch ohne große investive Maßnahmen schnell Wirkung zu erzielen. Deshalb "lohnt" sich zum Beispiel oft ein Technisches Monitoring. Unsere Kollegin, BAFA Energieauditorin und Expertin für Simulationen, Laura Beckfeld, schildert uns den Impact in Sachen Energieoptimierung für einen kommunalen Auftraggeber:
„Oft liegen die größten Einsparpotenziale bereits in den vorhandenen Daten verborgen. Im aktuellen Projekt konnten durch die Analyse der Lastgänge Optimierungsmöglichkeiten von mehreren hundert Megawattstunden Erdgas pro Jahr sichtbar gemacht werden. Das entspricht rund 25 Prozent des bisherigen Gasverbrauchs. Für die Kommune eröffnet sich damit die Chance, Betriebskosten nachhaltig zu senken, ohne unmittelbar in neue Technik investieren zu müssen.“
Sinnvolle Maßnahmen: Projektinitialisierung bis Umsetzung
Wesentliche Weichenstellungen für ein zukunftsfähiges Gebäude und einen
nachhaltigen Betrieb sollten in der sogenannten Planungsphase 0 stattfinden. Der gesamte
Nachhaltigkeitsimpact entsteht jedoch erst im Zusammenspiel aller Phasen im Lebenszyklus eines Gebäudes. Die Bandbreite sinnvoller Maßnahmen reicht von einem integralen Planungsteam über ressourceneffiziente Baustellen und Materialpässen bis hin zu Energiemonitoring und einem bedarfsgerechten Betrieb. Vor diesem Hintergrund sind gerade in der Planungsphase Ökobilanz (LCA) und Lebenszykluskostenanalyse (LCC) hilfreiche Instrumente in der Planung. Die Ökobilanz identifiziert CO₂-Treiber, unterstützt bei der Auswahl ökologischerer Baustoffe bzw. Konstruktionen und ermöglicht den Vergleich verschiedener Entwurfsvarianten. Sie ist bereits jetzt verpflichtender Bestandteil einiger Green Building Zertifizierungen, wie z. B. DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), und Bedingung bei der Inanspruchnahme staatlicher Förderprogramme. Auf EU-Ebene ist die Ökobilanz spätestens ab 2030 für alle Neubauten verpflichtend geplant.
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